Frugalismus, Minimalismus, Auszeit vor Renteneintritt

Frugalisten sparen einen (großen) Teil des Einkommens um früher in Rente gehen zu können. Im Internet findet man viele Artikel zu diesem Thema. Dabei sind auch Aussagen, wie z.B. mit 20 Jahren anfangen zu sparen und mit 40 Jahren in Rente gehen. Wer mit 40 Jahren "in Rente geht" hat dann nur 20 Jahre in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt, es fehlen die Einzahlungen für 27 Jahre!
Ein Durchschnittsverdiener mit 3500 € hätte dann mit 67 Jahren eine Bruttorente von ca. 691 €. Der Ertrag der Kapitalanlage muss folglich nicht nur ein erträgliches Leben in den 27 Jahre ohne Arbeitseinkommen ermöglichen, sondern auch die Rente bis zum Tode aufstocken.
In Beispielrechnungen werden die Anlagezinsen gerne zu hoch angesetzt und die Inflationsrate ignoriert.

Mein Rechner hat einen realistischen Ansatz. Sie können eine Auszeit von 1 bis 10 Jahren vor Renteneintritt wählen. Das Kapital wird in der Auszeit vollständig aufgebraucht. Ergebnis der Berechnung ist der monatlich mögliche Entnahmebetrag und (wichtig) die Kaufkraft dieses Betrags zum Nutzungszeitpunkt.
Die Anlagerendite sollte nicht zu hoch kalkuliert werden, die Inflationsrate ist mit 2% z.Zt. realistisch.

Auszeit vor Renteneintritt
Ihre Angaben
Auszeit vor Renteneintritt


Ihr aktuelles Alter
Mittleres Monatseinkommen
Regelaltersrente mit
Monatlicher Sparbetrag
Anlagerendite (Sparphase)
%
Inflationsrate 
%
Ihr Ergebnis
Sparphase

Ansparsumme

Kaufkraft


Einzahlungen in die DRV
Rentenerwartung (Regelarbeitsgrenze)


Monatlicher Entnahmebetrag in der Auszeit

Kaufkraft

Für die Berechnung der Rentenerwartung zur Regelarbeitsgrenze wird von einer Einzahlung in die deutsche Rentenversicherung ab dem 23.Lebensjahr ausgegangen.

Ein Renteneintritt mit 67 Jahren ist für Bürger, die nach 1964 geboren sind, aktuell gesetzlich vorgegeben. Ein vorzeitiger Renteneintritt ist mit erheblichen Verlusten verbunden. Mit 67 noch beruflich aktiv zu sein mag für Bundestagsabgeordnete (1008 € Pensionsanspruch nach 4 Jahren "Tätigkeit") zutreffen, aber dem Dachdecker ist dieses nicht zumutbar.
Ein vorzeitiger Renteneintritt mit z.B. 63 Jahren ist zwar möglich, aber schmälert die ohnehin magere Rente um 14,4%.
Eine Alternative wäre eine Auszeit vor dem Renteneintritt. Die Rentenkürzung durch den Abschlag entfällt, aber es fehlen die Einzahlungen in die Rentenversicherung in der Auszeit. Rechnen Sie nach!

Eine andere Möglichkeit des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Arbeitsprozeß ist die Altersteilzeit. Diese gesetzliche Regelung ermöglicht älteren Mitarbeitern einen gleitenden und frühzeitigen Übergang in den Ruhestand. Kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen!

Informieren

Haushaltsrechner Welche Sparrate ist möglich?

Krankenversicherung

Wer kein Einkommen hat und keine Familienversicherung möglich ist, muss sich freiwillig gesetzlich versichern. Die Krankenkasse verlangt einen Mindestbeitrag. Für die Versicherung wird ein fiktives Monatseinkommen von 1.096,67 € festgelegt. Mit einem KV-Beitrag von 14,6%, Zusatzbeitrag 1,3%, Pflegeversicherung 3,05% werden monatlich 207 € fällig.

Inflation

Wer Rücklagen bildet, muss die Inflation beachten! Wer z.B. über den Zeitraum von 20 Jahren monatlich 200 € zurücklegt, hat ohne Verzinsung ein Kapital von 48.000 € angespart. Bei einer Inflationsrate von 2% (statistisch realer Wert) ist die Kaufkraft aber nur 32.302 €, das ist ein Wertverlust von 32,7%.
Bei einer Anlageverzinsung von 2% wäre logischerweise kein Wertverlust. Aktuell ist eine Worst-Case Betrachtung (keine oder kleine Zinsen) sinnvoll.

Frugalismus in Reinkultur

Mein Rechner berechnet eine monatliche Sparsumme die notwendig ist um eine Auszeit vor dem Renteneintritt zu nehmen. Realistisch sind dabei natürlich nicht 30 Jahre sondern vielleicht 5 Jahre.

Im einleitenden Text stand die Aussage von Frugalisten, sparen und mit 40 in Rente gehen. Mit drei Rechnern in meinem Finanzportal können Sie diese Hypothese nachrechnen.

Die Werte in Klammern sind mit Abgeltungsteuer!

  • Sparrechner
    Annahme: der Frugalist hat bereits in jungen Jahren ein mittleres Nettoeinkommen von 3.000 €, entspricht etwa 5.000 € brutto (nicht schlecht!). Davon benötigt er nur die Hälfte zum Leben und spart in eine Anlageform mit 5% Rendite monatlich 1.500 €.
    Nach 20 Jahren, dann ist er 40 Jahre alt, hat er ein Vermögen von 611.306 € (534.844 €).
  • Entnahmeplan
    Der nun 40 jährige Frugalist muss sein Leben bis zum Tode aus diesem Kapital bestreiten. Eine Lebenserwartung von dann noch 50 Jahren ist realistisch. Wenn er älter wird kann er Grundsicherung beantragen ;-)
    Wenn man mit dem Entnahmeplan-Rechner und dem Anlagekapital von 611.306 € (534.844 €) und einer weiteren Verzinsung von 5% rechnet, kommt man bei einer Entnahme über 50 Jahre auf einen monatlichen Entnahmebetrag von 2.718 € (1.942 €).
  • Inflationsrechner
    2.718 € (1.942 €) haben bei Beginn der Entnahme, bezogen auf heute, eine Kaufkraft von 1.829 € (1.306 €).
    Zusätzlich zum Entnahmebetrag erhält er bei Verrentung allerdings eine Sozialrente mit einer Kaufkraft von ca. 500 €, siehe Rentenschnellrechner. Damit kann man dann leben!

Extreme Frugalisten, siehe "mit 40 in Rente", müssen ein sehr gutes stabiles Einkommen haben. Wer heute 5.000 € brutto hat und dann von 1.500 € leben will, ist schon sehr mutig... und vermutlich ledig. Eine Lebensplanung über 50 Jahre ist unsicher, weil die notwendigen hohen Renditen über lange Zeiträume nicht kalkulierbar sind.

Stichworte: frugalismus, minimalismus, auszeit, frugalisten-rechner, sparen und vorzeitig in Rente gehen